Vorablesen aus »Lieber Niels«
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Mrz
07

Wer mehr lesen möchte, kann das Buch ab sofort kaufen. In jeder Buchhandlung oder direkt beim Wallstein Verlag.

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Mrz
01

Ja, die Besprechung von Magenau habe ich erhalten. Wenig elektrisierend. Eigentlich geht es ja momentan allein darum, den Leuten zu sagen: Gehet hin und kauft! Alles andere (kann noch so feinsinnig sein) hilft nicht weiter (von Matt regt zum Kaufen an, eindeutig).

In Leipzig wird mich Martin W. Lüdke vom SWR im Möbelhaus smow präsentieren. Meint der wohl mich? Ich fürchte, der stellt einen nach dem anderen von uns möbelpräsentierenden Autoren vor, die in unterschiedlichen Sesseln »Lesen« darstellen?

Wie kommst Du denn dazu, Dich schon auf einen mallorquinischen September einzuschießen? Im September musst Du nach Genf kommen zur Uraufführung von L’invitation! (Zwar sieht es momentan wieder eher so aus, als ob’s nicht stattfände – aber Theaterleute sind immer zu allen Überraschungen fähig.)

 

Feb
27

Ammann hat eben gemailt: Er bereitet eine zweite Auflage vor! Sollte es ihm tatsächlich geglückt sein? Sollte er ein Buch durchgestiert haben auf dem Markt mit seinem ungeheuren Willen?!

Olé!

 

Feb
26

Was für eine Feder! Comtesse Beatrice von Matt in der NZZ! Meine Rettung! Jetzt kann ich ruhiger in die nächste Runde gehen.

Übrigens: Ich habe von Bund und Basler Zeitung die Originalseiten zugeschickt bekommen. Im Bund ist ein überzeugendes Ohlbaum-Portrait von mir drin (bunt). Richtig verkaufsfördernd. Auch in Basel (die Henneberg-Besprechung finde ich nach wie vor gut und niveauvoll) wird dem Buch mit einem Bild zusätzlich geholfen, einem tollen Kunsteinfall: Eine einsame Figur auf einem karstig vereisten See/Meer – ein beeindruckendes Bild, darunter irgend etwas vom dichtenden »Einzelgänger«.

Heute auch eine ausgezeichnete Besprechung im Tagesspiegel. Wieder von Frau Baureithel, aber sehr viel genauer, literarischer. Ohne den geduzten Autor, der immer noch dazwischen kommt. Das Buch pur. Die Kritik überragt das normale Tagesspiegel-Niveau weit. Auch schön plaziert, an prominenter Stelle, und vorne auf dem Feuilletonbund oben rot als Haupttitel ein Hinweis auf die Besprechung.

Feb
25

In der Schweizer Illustrierten ein Portrait. Ich habe die beiden Seiten für Dich farbfotokopiert und schicke sie per Post, weil sie lustig aussehen.

Die Basler Zeitung finde ich bislang am besten. Sie haben alle den fatalen Hang zum Bücher- und Autorenduzen. Kaum eine(r) erwartet vom Buch noch, ein Evangelium, vom Autor, ein Apostel zu sein. Das finde ich schade. Noch habe ich den Glauben nicht ganz  aufgegeben. Noch fühle ich mich manchmal als Jünger und Diener einer wunderbaren, großen Sache: der Literatur, der Kunst. Die Kritiker dieser Welt erhoffen sich zu wenig von einem Buch. Und weil sie sich nichts erhoffen, finden sie natürlich auch nichts Außergewöhnliches drin.

Hasta la vista buenos dias una cerveza por favor …

 

Feb
23

Wenigstens hast Du mir noch ein Wort mit auf den weiteren Weg gegeben, das ich nicht kannte, und auf das ich von nun an bauen will: statistischer Ausreißer. Das will ich werden: ein statistischer Ausreißer!

Sonst werde ich halt erfolgreicher Filmregisseur (man wird ja meistens das, was man nicht besonders gut kann). Jedenfalls reich und berühmt, das schon. Wobei mir das mit dem Berühmtwerden zunehmend suspekt wird. Vor ein paar Monaten schrieb mir eine Schweizerin via Verlag einen vier Seiten langen, eng bedruckten, fehlerfreien, ziemlich dichten Brief. Sie hatte zufällig den Neuen Nachbarn entdeckt und gelesen und war davon hin und weg. Ich habe mich mit Privatabsendeadresse artig bedankt.

Vor etwa zehn Tagen sah ich im Faxbericht, dass tagsüber jemand mehrmals versucht hatte mich anzurufen. Am nächsten Tag stand im Hausflur eine Rose mit einem Zettel »Für MZ«, ohne Absender. Keine Ahnung, wer mir auf den Fersen war. Nun kam wieder ein Brief, ziemlich wirr und geheimnisvoll diesmal, von dieser Schweizerin, die offenbar nach Berlin gereist ist und auf meinen Spuren wandelt. Beunruhigend. Wenn man das nun hochrechnet – angenommen, ich erreiche auch nur einen kleinen Bekanntheitsgrad –, wird einem mulmig zumute. Also bitte nur reich, nicht berühmt.

Gute Reise, spül alle Enttäuschungen runter mit einem großen, trockenen Sherry (oder besser mit dem guten spanischen Cognac – wie heißt der schon wieder? Irgendein Königsname plus Primero, II, III usw., je höher desto besser, glaube ich; er wird üppig ausgeschenkt, nicht so französisch geizig).

Feb
22

Habe mal wieder vor, zwei, drei Tage nach Imperia zu fahren auf Wohnungssuche. (Das stelle ich mir in düsteren Momenten in Berlin immer ganz einfach vor. Kaum komme ich aber in »Imperia« an – das steht für die verschiedensten Auswanderungstraumziele –, gebe ich den Vorsatz auf und gehe einfach ein wenig rum und kehre dann erschöpft und glücklich in meine Berliner Wohnung zurück.)

 

Feb
20

Am letzten Donnerstag soll in der Basler Zeitung eine zu frühe Besprechung von Maurice veröffentlicht worden sein. Ich habe sie noch nicht bekommen, Ammann kümmert sich drum. So geht es nun also los.

Im TV habe ich am Samstag die Bären-Verleihung live gesehen. Es ist grausam, wie das Leben einen desillusioniert. Früher fand ich die Filmfestspiele irgendwie aufregend und die Preise am Schluss diskussionswürdig. Heute sehe ich nur noch das Schäbige daran, das kleine Geschäft. Ich sehe, wie das alles nur aufgezogen wird, damit die Organisatoren ihre Miete bezahlen können. Ich sehe, wie Berlin, die Taxifahrer, die Hotels, die Restaurants, die Fluglinien Geld verdienen damit, und ich sehe die Filmemacher, die glauben, es gehe um sie. Ich sehe die Preisträger, die meinen, ihr Film sei gemeint. Da war eine Dänin, die hat den Mund nicht mehr zugekriegt vor Aufregung – momentelang fürchtete man, sie bekäme einen Herzanfall –, dabei hat sie den Preis (zu gleichen Teilen mit einem iranischen Film!) bekommen, weil sie zufälligerweise eine junge Dänin ist, und Dänemark wegen der Karikaturen politisch gerade ins Programm passte – und man sieht das alles und ist traurig. Die Hauptpreisträgerin war eine Bosnierin, die etwas übers Vergewaltigen gefilmt hat, einen Low-Budget-Film, und es kamen mit ihr etwa zehn Off-Off- Produzenten auf die Bühne, Österreicher, Deutsche, Bosnier etc., die alle von diesem minimalen Budget ein paar tausend Euro für sich abgezweigt hatten und so am Vergewaltigen mitverdient haben. Ich möchte weniger traurig sein, weniger wissen.

 

Feb
19

Der Lottmann-Artikel Cinema für Peace ist von A bis Z ein Vergnügen (und dazu noch gescheit). Danke. Kennen wir den Mann? Ein Schriftsteller? (Das ist das Niveau, das ich in der FAZ erwarten würde, wohingegen der Artikel über den Türkenfilm flach und dümmlich war. Man müsste offensichtlich wirklich taz-Leser werden?)

Die Raclette-Stube von Rhon ist schrullig. Wie kommt er denn darauf? Nostalgische Skiurlaubs-Erinnerungen? Ein Schweizer wird natürlich diese Flachlandalphütte in Berlin nie betreten. (Wo Schinkenrollen angeboten werden! Oder Zwiebelsuppe! Oder gar überbackener Camembert mit ANANAS! – Was für Entgleisungen aus der Sicht fundamentalistischer Raclette-Esser! Raclette, das ist geschmolzener Käse, dazu gibt es Pellkartoffeln, groben Pfeffer, für Städter vielleicht noch Silberzwiebeln, Cornichons – und Schluss. Dazu Weißwein. Danach Meringen mit Schlagsahne. Und Schnaps. Alles, was darüber hinausgeht, sieht Gott nicht gern.)

Das Schlimme an diesem Essen (wie auch am Fondue) ist der penetrante Käsegeruch, der in Kleider, Haare, Haut dringt und kaum noch rauszukriegen ist. Wie erträgt das Rhon, der doch bis in die äußersten Fingerspitzen Ästhet ist? Er wird bestimmt nach ein paar Tagen zum Käse-Rhon und wird leiden wie eine Fischverkäuferin oder der Inhaber einer Currywurstbude? Ich kann mir nicht vorstellen, dass er das lange durchhält.

Feb
19

Arm sind die Menschen überall, aber so verzweifelt, so kaputt, so elend wie hier, an den sich ausbreitenden Rändern der Städte, sind sie nicht einmal in Bukarest. Oder gar in Italien? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute dort, bei den skandalös hohen Europreisen, noch mithalten können. Im Gegenteil: Der Durchschnitt hat mit Sicherheit weniger Geld als die Leute hier. Und trotzdem ertragen sie ihr Leben in Imperia oder in Neapel mit mehr Heiterkeit. Aber wir sind dort unten in der Sonne Fremde und gehören nicht dazu. Wir sind wohl verdammt dazu, hier traurig zu werden?

 

Der Türkenfilm ist sehenswert. Er ist, wie in der Kritik steht, ziemlich unbeholfen, grob und dumm. Aber die Grundidee ist frappant: Wer ins Kino geht hierzulande, sieht immer wieder Hetzfilme von grotesker Dummheit (meistens aus Amerika). Da werden bestialische Russen plattgemacht, diabolische Vietkongs, Deutsche, die grundsätzlich pervers sind (und in der Regel blutrünstige Judenabschlachter), dumme, heimtückische Araber, degenerierte Europäer, Chinesen, die nur in Rudeln leben und fuderweise auftreten usw. Wir halten das für normal. Nun dreht einmal jemand den Spieß um und erzählt dieselbe Geschichte andersrum. Es sollte Pflicht sein für jeden, sich diesen Film anzusehen. Zum einen, weil man erst da realisiert, was Hollywood seit Jahrzehnten mit uns anstellt (und wie gefährlich das ist). Zum anderen war ich sogar gerührt, weil der Film am Rand versucht, über die Figur des Scheichs Versöhnung in den Schlamassel zu bringen: Der Scheich verurteilt seinen Leuten gegenüber Selbstmordattentate aufs entschiedenste (und einleuchtend, klug), und er tritt sogar dazwischen, als eine europäische Journalistengeisel geköpft werden soll. Er nimmt dem Terroristen das Schwert aus der Hand, schneidet der Geisel damit die Fesseln durch, reicht ihr das Schwert und befiehlt ihr, den Terroristen umzubringen. Die Geisel bricht in Tränen aus, lässt das Schwert fallen, wirft sich dem Scheich zu Füßen und dankt ihm. So etwas musst Du in Rambofilmen suchen.

Was außerdem gezeigt wird, ist skandalös (Organhandel, sinnlose Metzeleien unter Zivilisten usw.). Dass das alles Facetten unserer »Friedensmissionen« sind, darüber besteht kein Zweifel. Es ist unangenehm, sich als Täter denunziert zu sehen, sicher, aber ich habe zumindest den Schluss daraus gezogen, dass ich in Zukunft weniger gedankenlos andere verunglimpfen will.